(Dieser Artikel ist veröffentlicht in MHR 1/10, 3) < home RiV >
Mitgliederversammlung 2010
Am 03.03.2010 fand die diesjährige Jahresmitgliederversammlung des Richtervereins am gewohnten Ort im OLG statt. Im öffentlichen Teil hielt Sabine Rückert den Gastvortrag (1), gab der scheidende Vorsitzende und künftige Ehrenvorsitzende Gerhard Schaberg einen Rückblick auf seine Verbandskarriere (2) und sprach der scheidende stellvertretende DRB-Vorsitzende Hanspeter Teetzmann über aktuelle DRB-Themen (3).
Im nichtöffentlichen Teil gab Gerhard Schaberg seinen Rechenschaftsbericht für das Jahr 2009 ab (4), begründete unser scheidender Kassenwart Matthias Buhk (künftiger stellvertretender Vorsitzender) die Beitragserhöhung (5), stellt sich Marc Tully als neuer Vorsitzender des Richtervereins vor (6) und wurde der neue Vorstand gewählt (7).

„Ich
bin 1976 erstmals als Assessorenvertreter Mitglied des Vorstandes des
Hamburgischen Richtervereins geworden. Es war eine Zeit, die geprägt war von
den Nachwehen der Auseinandersetzungen mit der ersten Generation der RAF –
Ulrike Meinhof hatte sich im Mai 1976 in ihrer Zelle in Stammheim erhängt –
und einem Wandel in der Politik der Bundesrepublik, der mit der Wahl Willy
Brands begonnen hatte.
„Der Vorstand hat etwa alle 5 Wochen getagt und sich in seinen Sitzungen mit allen die Belange der Staatsanwälte und Richter aktuell wie langfristig betreffenden Fragen beschäftigt. Vorrangige Themen im Jahr 2009 waren:
a) Gehalt:
Trotz der erfolgten Gehaltsanpassung vertritt der Richterverein weiterhin die Ansicht, dass Richter und Staatsanwälte unangemessen niedrig bezahlt werden. Ein Stundensatz von ca. 12,- € netto bei einer unterstellten 42 Stundenwoche für einen Berufsanfänger und etwa 20,-- € netto für einen R2 – Empfänger am Berufsende ist eindeutig zu wenig. Deshalb hat der Richterverein auch seinen Mitgliedern empfohlen, den Klageweg weiterhin zu beschreiten. Die Anträge auf amtsangemessene Besoldung aus dem Jahr 2008 liegen dem Personalamt zur Entscheidung vor. Folgeanträge für das Jahr 2009 sind gestellt und absprachegemäß für ruhend erklärt worden, bis über drei anhängig zu machende Musterklagen entschieden sein wird. Da inzwischen dem Bundesverfassungsgericht ein Vorlagebeschluss des OVG Münster zugeleitet worden ist, steht zu vermuten, dass die Verfahren in Hamburg ähnlich wie etwa in Schleswig-Holstein nicht weiter verfolgt werden, bis das Verfassungsgericht entschieden haben wird.
b) Dienstrechtsneuordnung
Als unmittelbare Folge der Föderalismusreform hat Hamburg sein Dienstrecht grundlegend geändert. Der Richterverein hat an diesem Prozess mitgewirkt und umfangreiche Stellungnahmen abgegeben. An Stelle der Lebensaltersstufen sind nun sogenannte Erfahrungsstufen getreten mit der Folge, dass die Gehaltsanpassung nunmehr alle drei Jahre erfolgt. Die beabsichtigte Anhebung des Pensionsalters auf 67 Jahre ist im letzten Moment gescheitert, jedenfalls vorläufig. Für bereits tätige Richter und Staatsanwälte bedeutet die Veränderung keine Verschlechterung des Lebenseinkommens.
c) Selbstverwaltung
Der Richterverein hat am 30.03.2009 den Entwurf eines Landesgesetzes zur justiziellen Selbstverwaltung vorgelegt und zur Diskussion gestellt. An einer groß angelegten Veranstaltung der Justizbehörde zu diesem Thema am 06.06.2009 hat sich der Richterverein beteiligt. In Arbeitsgruppen, die am 21.09.2009 und am 02.12.2009 getagt haben, wurden Einzelprobleme besprochen. Derzeit prüft die Justizbehörde verfassungsrechtliche Fragen. Die Gespräche sollen fortgesetzt werden.
d) Nordverbund
Die Tagungen des vom Richterverein ins Leben gerufenen Nordverbundes haben sich erfreulich entwickelt. Etwa zwei- bis dreimal im Jahr treffen sich die Vorsitzenden der Landesverbände Bremen, Hamburg, Mecklenburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein zu einem Erfahrungsaustausch. An den Gesprächen nehmen auch Fachreferenten teil. Es werden gemeinsame Personalvorschläge auf Bundesebene ebenso abgestimmt, wie das Vorgehen etwa in Gehaltsfragen. Angesichts der addierten Stimmrechtsanteile hat der Nordverbund bei Abstimmungen im Bundesvorstand erhebliches Gewicht.
e) Assessoren
Die mit der Justizbehörde abgesprochenen oder vom Richterverein selbst veranstalteten Fortbildungsveranstaltungen werden gut von den Assessoren angenommen und sind ein wesentlicher Werbefaktor, der zu Neueintritten führt. Dazu gehört auch die von den Assessoren selbst finanzierte Studienreise nach Barcelona, die guten Anklang fand. In Abstimmung des Nordverbundes wird Anfang September in Salzau ein Assessorentreffen stattfinden. Für Hamburger Assessoren sind ca. 35 Plätze vorgesehen.
f) Beiträge
Eine Beitragserhöhung zur Beseitigung des strukturellen Defizits wird der Richterverein in diesem Jahr nicht vermeiden können. Nur so kann er handlungsfähig bleiben und sich aktiv für die Belange der Mitglieder einsetzen. Dazu aber mehr von Herrn Dr. Buhk.
g) Ausland
2009 waren schwedische Richter im Juni und Kollegen aus der Ukraine im September zu Besuch in Hamburg. Weiterhin hat eine Delegation der Generalstaatsanwaltschaft Vietnams Hamburg besucht. An Vortragsreisen in Vietnam nahmen Dr. Grotheer und ich im Rahmen eines Besuchsprogramms des Bundesministeriums der Justiz teil. Diese Vorträge sind Bestandteil des Projekts „Law made in Germany“. Der Verein „Rechtsstandort Hamburg“ wurde unter Beteiligung des Richtervereins am 22.06.2009 feierlich aus der Taufe gehoben. Erwähnenswert noch der Deutsch-Polnische Juristendialog in Hamburg am 8. und 9.September 2009.
h) Ethik
Weiterhin ist der Richterverein durch Frau Kreth, Frau Schmidt-Syaßen und mich in der Ethik-Kommission des Deutschen Richterbundes vertreten. Zweimal im Jahr tritt dieser Kreis zusammen, um zu erörtern, ob eine richterliche Ethik formuliert werden soll und wie sie gegebenenfalls auszusehen hat.
i) Kultur
Es lasen 2009 aus ihren Büchern: Leonore Gottschalk-Solger, die Krimi-Autoren Kampmann und Koglin, Horst Eckert und Sybille Schrödter. Zur Psyche der Mafia hielt Prof. Lo Verso einen Vortrag aus psychoanalytischer Sicht. Herausragend sicherlich die Ausstellung „Wehrmachtsjustiz“ in Zusammenarbeit mit der Justizbehörde. Die Ausstellung wurde von zahlreichen Vorträgen begleitet. Dann las noch Uwe Timm aus dem Roman „Die Entdeckung der Currywurst“.
j) Ausblick
Die Sparverpflichtungen des Senats, von denen die Staatsanwaltschaft und die Gerichte in den Jahren 2010 bis 2013 9 Millionen Euro zu erbringen haben, werden wir kritisch zu begleiten haben. Die diskutierte Schließung des AG Blankenese muss jedenfalls verhindert werden. Die Neugestaltung des richterlichen Eildienstes und des Richtervorbehaltes bei der Blutprobenentnahme wird zu diskutieren sein. Die Selbstverwaltung wird weiterhin Diskussionsstoff liefern, ebenso wie Englisch als Verhandlungssprache und die Etablierung einer Kammer des Europäischen Patentgerichts.“
|
Besoldungsgruppe |
Beitrag 2010 |
|
Proberichter/-Staatsanwälte |
100,-- |
|
50% Beschäftigte oder weniger |
100,-- |
|
R1 |
115,-- |
|
R2 |
130,-- |
|
höher als R2 (auch Zulage) |
150,-- |
|
RiFG |
80,-- |
|
VRiFG |
100,-- |
|
Pensionäre R1 |
100,-- |
|
Pensionäre R2 |
115,-- |
|
Pensionäre höher R2 |
130,-- |
6. Marc Tully ist neuer Vorsitzender des Richtervereins
Dr. Marc Tully, Vorsitzender einer
Wirtschaftsstrafkammer am Landgericht und bisheriger stellvertretender
Vorsitzender des Richtervereins, wurde als Nachfolger von Gerhard Schaberg zum
neuen Vorsitzenden des Richtervereins gewählt. In seiner Vorstellung versprach
Marc Tully Kontinuität und Ausbau der Mitgliedsvorteile im Richterverein. Er
drängte auf Sachbezogenheit der Debatte über die Selbstverwaltung. Dabei wies
er darauf hin, dass die Anforderungen an Island für einen EU-Beitritt zeigen
würden, dass Deutschland selber die EU-Kriterien im Justizbereich für einen
EU-Beitritt nicht erfüllen würde. Die weitere Entwicklung der
Selbstverwaltungsdebatte dürfe nicht der Justizbehörde überlassen bleiben.
Auch in der Hamburger Justiz müsse mehr Demokratie gewagt werden. Wolfgang Hirth